Wer Ironman finisht, tauscht Endorphine gegen einen durchlässigen Darm

Der Preis fürs Ziel wird auf der Innenseite kassiert. Runner's Trots ist medizinisch eine ischämische Belastungsreaktion.

Beim Marathon leitet der Körper Blut aus dem Verdauungstrakt in Muskeln und Haut um. Der Darm wird minderdurchblutet, seine Innenschichten geraten unter physiologischen Stress. Die Konsequenz für ambitionierte Ausdauersportler: kleinste Geschwüre in der Darmschleimhaut, ein Anstieg der Durchlässigkeit, im schlimmsten Fall Blut im Stuhl. Was Laufcoaches euphemistisch "Runner's Trots" nennen, ist medizinisch eine ischämische Belastungsreaktion.

Die Leber bekommt das ebenfalls ab. Weil Bakterien und deren Abbauprodukte durch die geschwächte Darmwand in den Kreislauf gelangen, bekommt sie eine Sonderportion Toxine zu verarbeiten. Wer regelmäßig Extremausdauer betreibt und nichts zur Regeneration von Darm und Leber unternimmt, holt sich die Nebenwirkungen einer Krankheit, ohne krank zu sein.

Das ist die unbequeme Seite der Ausdauerkultur. Der Ironman-Finisher, inszeniert als Vorzeigebild moderner Selbstdisziplin, kämpft in seinem Inneren mit einem durchlässigen Darm und einer belasteten Leber. Statistisch mag er länger leben als der Nichtsportler. Physiologisch tauscht er die Leistungsurkunde gegen eine Serie mikroskopischer Verletzungen.

Die Konsequenz ist nicht, Sport zu meiden. Sie ist eine simple Anpassung: langsam an Belastungen heranführen, ausreichend trinken, keine prophylaktische Ibuprofen-Einnahme, keine Hitze-Marathons ohne Vorbereitung.

Endorphine kompensieren keine geschädigte Leberzelle. Sie fühlen sich nur so an, als würden sie das tun. Der Preis fürs Ziel wird auf der Innenseite kassiert.

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