Sportsucht sieht von außen aus wie Disziplin - das ist das Problem

Das Verhalten wird gesellschaftlich belohnt. Genau deshalb wird die Sucht selten erkannt.

Kein Tag ohne Training. Verabredungen werden abgesagt, wenn sie mit dem Trainingsplan kollidieren. Verletzt weitermachen, krank weitermachen, auch dann, wenn der Körper deutlich nein sagt. Von außen sieht das nach Willensstärke aus. Im klinischen Bild ist es eine Sucht.

Sportsucht unterscheidet sich von anderen Suchtformen in einem entscheidenden Punkt: Das Verhalten wird gesellschaftlich belohnt. Wer täglich läuft, bekommt Bewunderung, keine Bedenken. Das macht es schwerer zu erkennen - für Außenstehende, aber vor allem für die Betroffenen selbst.

Eng damit verbunden ist das, was die Sportmedizin als RED-S bezeichnet: Relative Energy Deficiency in Sport. Der Körper verbraucht mehr Energie als er bekommt. Das betrifft nicht nur Menschen mit Essstörungen. Es betrifft jeden, der dauerhaft mehr trainiert, als sein Energieangebot zulässt. Die Leistungsfähigkeit sinkt, der Hormonhaushalt gerät durcheinander, Knochen werden spröder.

Das Schwierige an der Behandlung: Sport einfach zu streichen wäre für die Gesundheit selbst schädlich. Worum es geht, ist zu verstehen, was das Training kompensiert - und dort anzusetzen. Nicht beim Training. Beim Grund, warum es unersetzbar geworden ist.

Wenn das Training zur einzigen Bewältigungsstrategie geworden ist, ist der Weg raus keine Reduktion der Kilometer, sondern eine Erweiterung des Repertoires.

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