Fast 500 Milliarden Euro fließen pro Jahr in Krankenhäuser, Praxen, Medikamente und Apparatemedizin. Trotzdem sterben die Menschen in Deutschland im Durchschnitt 1,4 Jahre früher als vergleichbare Westeuropäer.
Der Grund liegt selten in der Behandlungsqualität. Er liegt in dem, was zu wenig behandelt wird, bevor eine Behandlung nötig wird. Deutsche sterben überdurchschnittlich oft an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Erkrankungen entwickeln sich über Jahre, oft Jahrzehnte, mit Vorstufen wie leicht erhöhtem Blutdruck, grenzwertigem HbA1c und wachsendem Bauchumfang. Punkte, die im deutschen System vorwiegend beobachtet werden, statt aktiv reduziert.
Ein Bruchteil dieser 500 Milliarden würde reichen, um mit gezielter Prävention und niedrigschwelligen Alltagsmaßnahmen den Rückstand aufzuholen. Aber Prävention lässt sich schlechter abrechnen als eine Herzkatheteruntersuchung. Das System belohnt den späten Eingriff, nicht die frühe Verhinderung.
Als Patient wirst du das nicht ändern. Aber wenn du weißt, dass ein gut ausgebautes Behandlungssystem deine Lebensspanne trotzdem nicht rettet, denkst du anders über Eigenverantwortung nach.
500 Milliarden. Und trotzdem 1,4 Jahre weniger. Wenn das Geld die Rechnung nicht bezahlt, bleibt nur eine Instanz übrig, die es kann.