Adolphe Quetelet war Belgier, Astronom und Statistiker. Er wollte im 19. Jahrhundert den durchschnittlichen Menschen mathematisch beschreiben, weil er glaubte, dass sich menschliche Eigenschaften wie Sterne kartieren lassen. Sein Verhältnis von Gewicht zu Körpergröße im Quadrat wurde später als Body Mass Index bekannt. Er war nie für Individuen gedacht. Er war ein Werkzeug für Bevölkerungsstatistik.
Über hundert Jahre später griffen amerikanische Lebensversicherer die Formel auf, um Tarife zu berechnen. Damit rutschte sie in die Medizin, ohne dass jemand sie klinisch validiert hätte. Der BMI unterscheidet nicht zwischen Muskel und Fett. Er weiß nicht, wo das Fett sitzt. Er blendet den Unterschied zwischen einem Krafttrainierten und einem Bürojob-Menschen komplett aus. Trotzdem entscheidet er über Krankschreibungen, Kur-Bewilligungen und die Diagnose "Adipositas".
Der Chefredakteur einer der ältesten kardiologischen Fachzeitschriften hat kürzlich öffentlich verlangt, den alleinigen Fokus auf den BMI aufzugeben. Das ist keine akademische Petitesse, sondern die späte Anerkennung eines methodischen Fehlers, der seit fast zweihundert Jahren mitgeschleppt wird.
Wer heute abnehmen möchte, sollte den BMI kennen, aber ihn nicht als Zielgröße nehmen. Der Bauchumfang ist die aussagekräftigere Zahl. Muskelmasse, Fettverteilung und Stoffwechselgesundheit lassen sich damit nicht messen, aber sie beeinflussen die Realität jedes einzelnen Körpers stärker.
Quetelet hat einen brauchbaren Bevölkerungsindex gebaut. Was seit einem Jahrhundert daraus geworden ist, hätte er selbst nie so verwendet.