Bauchfett ist kein Vorrat, es ist ein Organ, das dein Herz vergiftet

Viszerales Fett ist stoffwechselaktiv und schüttet dauerhaft Entzündungsstoffe in den Blutkreislauf aus.

Bauchfett wird gerne als überschüssige Energie beschrieben, die der Körper gespeichert hat und die man wieder verbrennen muss. Diese Metapher ist biologisch falsch. Viszerales Fett, also das Fett rund um Leber, Darm und Bauchspeicheldrüse, ist stoffwechselaktiv. Es produziert Hormone. Es schüttet Entzündungsbotenstoffe aus. Es beeinflusst Blutdruck, Insulinempfindlichkeit und Blutgerinnung. Damit erfüllt es alle formalen Kriterien eines endokrinen Organs, wie sie in medizinischen Lehrbüchern für Schilddrüse oder Nebenniere gelten.

Das erklärt, warum Menschen mit normalem Körpergewicht, aber viszeralem Fettdepot, ein deutlich höheres Herzinfarktrisiko tragen als ihr schwerer, aber hüftbetonter Kollege. Das Bauchfett arbeitet ununterbrochen im Hintergrund. Es unterhält chronische niedriggradige Entzündungen in den Gefäßwänden, verändert die Gerinnungsfaktoren im Blut und macht die Leber gegenüber Insulin taub. Der Infarkt am Ende ist die späte Rechnung eines Systems, das jahrzehntelang leise vergiftet wurde.

Wer versteht, dass Bauchfett kein passiver Speicher ist, sondern eine aktive Drüse, hört auf, es als Schönheitsproblem zu behandeln. Es ist ein medizinisches Problem, und zwar eines der ersten Ordnung.

Die gute Nachricht: Viszerales Fett reagiert schneller auf Ernährungsumstellung und Krafttraining als das subkutane Fett direkt unter der Haut. Wer den Bauch verkleinert, tut das nicht aus optischen Gründen, sondern schaltet ein hormonell aktives Organ leiser, das ihm sonst über Jahre die Gefäße schädigt.

Die klassische Metapher vom Vorrat für schlechte Zeiten stimmt für Kamele. Beim Menschen ist der Vorrat gleichzeitig das Gift.

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