Ein Mensch mit Normalgewicht sitzt in der Hausarztpraxis, stellt sich auf die Waage, die Größe wird abgeglichen, und der Body Mass Index landet solide zwischen 22 und 24. Der Arzt nickt, die Vorsorge ist erledigt. Das Maßband, das drei Meter weiter ungenutzt in der Schublade liegt, hätte eine andere Geschichte erzählt.
Etwa jeder zwanzigste Mensch mit unauffälligem BMI trägt einen erhöhten Bauchumfang. Bei fast einem Fünftel dieser scheinbar unbelasteten Gruppe ist das Verhältnis von Taille zu Hüfte in einem Bereich, der das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzversagen um bis zu fünfzig Prozent steigert. Die dünnen Arme und die schmale Silhouette verbergen dabei den einzigen Ort, an dem Fett wirklich gefährlich wird: rund um die Organe.
Diese Form der Fettverteilung heißt viszerales Fett, also Eingeweidefett. Es ist nicht das, was du zwischen den Fingern zwicken kannst, sondern das, was um Leber, Herz und Bauchspeicheldrüse liegt. Es ist der biologische Grund, warum Menschen mit dem "perfekten" BMI mit dreiundvierzig überraschend ihren ersten Infarkt bekommen.
Wer schlank aussieht und einen BMI im grünen Bereich hat, kann trotzdem eine Fettverteilung tragen, die kardiologisch dramatisch schlechter ist als die eines übergewichtigen Menschen mit hüftbetontem Muster. Das Fett am Bauchnabel ist stoffwechselaktiv. Das an den Oberschenkeln ist es kaum.
Das Maßband liegt in der Schublade. Es kostet drei Euro und misst zuverlässiger, was den Patienten irgendwann töten wird.