Wer einen Proteinriegel und einen klassischen Schokoriegel nebeneinander legt und die Rückseiten vergleicht, findet zwei Süßwaren mit demselben Bauplan. Zucker oder Süßstoffe, Farbstoffe, Emulgatoren, Geschmacksverstärker, Aromen, industriell isoliertes Molke- oder Sojaprotein. Beide sind hochverarbeitet, beide reizen die Darmschleimhaut, beide gehören auf dieselbe Liste, die Gastroenterologen ihren Patienten vorlegen: bitte vermeiden.
Der Protein-Hype hat aus einem Grundnährstoff eine Kategorie voller ultra-verarbeiteter Alltagsprodukte gemacht. High-Protein-Pudding, High-Protein-Käse, High-Protein-Müsli. Alles Lebensmittel, die vor zehn Jahren einfach Snacks hießen und jetzt einen Aufkleber tragen, der Gesundheit suggeriert. Der Aufkleber ist die eigentliche Innovation, nicht die Rezeptur.
Der Körper braucht Protein, er braucht es sogar reichlich. Was er nicht braucht, ist Protein, das durch zehn industrielle Verarbeitungsschritte gegangen ist und mit Sucralose zusammen aus einer Folienpackung kommt. Ein Ei liefert billiger, sauberer und darmfreundlicher, was der Riegel für 2,49 Euro verspricht.
Wer seine Muskeln aufbauen will, isst Quark, Linsen, Eier, Hüttenkäse. Wer seine Angst vor Muskelverlust monetarisieren lässt, kauft Riegel. Der Unterschied liegt nicht im Ergebnis. Er liegt im Preis pro Gramm Protein und im Schaden an der Darmschleimhaut.