Beim Krafttraining reicht ein Aufwärmsatz mit leichtem Gewicht und wenigen Wiederholungen pro Übung als Warm-up. Kein Cardio-Vorprogramm, kein Foam Rolling, kein statisches Dehnen. Letzteres kann die Maximalkraft sogar reduzieren. Wer sich gewissenhaft dehnt, sabotiert unter Umständen die Leistung, die er im Anschluss abrufen will.
Warum halten sich die Rituale trotzdem? Weil sie sozial funktionieren. Wer sich aufwärmt, wirkt professionell. Wer sich dehnt, wirkt achtsam. Beide vermitteln der eigenen Psyche das Gefühl, ernsthaft zu trainieren, obwohl die Wirkung überschaubar ist. Trainings-Ästhetik statt Trainings-Effekt.
Für Menschen mit dreißig Minuten Trainingszeit ist diese Ritualisierung ein Sabotage-Programm. Zwei Drittel der Zeit fließen in Vorbereitung, die verbleibenden zehn Minuten trainieren müde und unkonzentriert.
Der Aufwärmsatz mit leichtem Gewicht reicht. Alles andere ist Selbstberuhigung im Namen der Physiologie, ohne dass die Physiologie das verlangt hätte.