Die Acht-Stunden-Regel wurde nicht von Biologen erfunden, sondern von Gewerkschaftern

Der 8-Stunden-Wert stammt aus den Verhandlungen postindustrieller Arbeiterbewegungen - eine politische Formel, die sich als Naturgesetz getarnt hat.

Wer nachts wach liegt und panisch die Stunden zählt, geht davon aus, dass acht Stunden Schlaf ein biologisch begründeter Wert seien. Sind sie nicht. Der Wert stammt aus einer Tarifformel: acht Stunden Arbeit, acht Stunden Freizeit, acht Stunden Schlaf.

Feldforschung bei den Hadza in Tansania zeigt etwas anderes. Sie schlafen im Durchschnitt weniger als sieben Stunden, unterbrochen, fragmentiert, umgeben von nächtlichen Erzählrunden und Feuer. Ihre Schlafeffizienz liegt bei 74 Prozent. Sie berichten von hoher Zufriedenheit mit ihrer Erholung. Die 88-Prozent-Effizienz des Westens produziert dagegen chronisch erschöpfte Menschen.

Der Mensch schläft weniger als jeder andere Primat. Der Nachtaffe kommt auf siebzehn Stunden am Tag. Der homo sapiens auf sechs bis sieben. Trotzdem ist er der evolutionär erfolgreichste. Das legt eine These nahe: kurzer, unterbrochener Schlaf ist nicht die Ausnahme, die es zu reparieren gilt. Er ist der Normalzustand.

Die acht Stunden wurden erfunden, damit die Fabrik am nächsten Morgen um sieben produzieren konnte. Wer heute daran misst, ob er genug geschlafen hat, misst sich an einer Tarifformel, nicht an seinem Körper.

Das Problem ist nicht dein Schlaf. Das Problem ist der Maßstab.

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