Der Körper senkt seine Hormonspiegel im Alter absichtlich. Die Anti-Aging-Medizin nennt das eine Krankheit.

Testosteron sinkt. Wachstumshormone sinken. Östrogen sinkt. Das ist keine Fehlfunktion, die man beheben muss - es ist ein dokumentierter Teil des biologischen Alterungsprozesses.

Der Körper durchläuft diesen Vorgang aus Gründen, die die Forschung noch nicht vollständig versteht. Klar ist nur: er tut es nicht versehentlich.

Die Anti-Aging-Medizin behandelt diesen Vorgang trotzdem als Defizit. Hormone fallen ab, also gibt man sie zurück. Die Logik klingt plausibel. Das Problem ist, dass der Körper keine Maschine ist, bei der man einen absinkenden Flüssigkeitsstand wieder auffüllt. Hormonachsen sind miteinander verbunden, feedback-reguliert und kontextabhängig. Wer extern eingreift, verändert ein System, das er nicht vollständig kennt.

Die Fachgesellschaft der Endokrinologen ist in ihrer Einschätzung deutlich: Anti-Aging-Effekte durch Hormongaben im Alter sind nicht belegt. Das Risiko dagegen schon. Wachstumshormone etwa stehen im Zusammenhang mit erhöhten Krebsrisiken. Testosteron ohne klare medizinische Indikation zu geben, ist kein Jungbrunnen, sondern ein Eingriff mit offenem Ausgang.

Sinkende Hormonspiegel im Alter als Krankheit zu definieren, ist ein Geschäftsmodell. Es schafft Patientinnen und Patienten aus biologisch gesunden Menschen.

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