Kleine Gesellschaften in Tansania kommen auf 74 Prozent Schlafeffizienz. Sie stehen nachts auf, essen, reden, tanzen, legen sich wieder hin. Fragmentiert nach westlichem Maßstab. Trotzdem berichten sie von tieferer Erholung als Menschen in industrialisierten Ländern.
Der Unterschied liegt nicht in der Dauer, sondern in etwas, das die Schlafforschung erst spät begriffen hat: der zirkadianen Amplitude.
Wer den Tag mit vollem Spektrum Sonnenlicht beginnt, wer die Temperaturkurve draußen mitmacht, wer abends nicht in Blaulicht badet, baut in seinem Körper eine steile Schwingung auf zwischen wach und müde. Diese Schwingung ist der eigentliche Motor der Erholung. Sechseinhalb Stunden mit starker Amplitude schlagen acht Stunden ohne sie.
Der Westen hat Schlafdauer optimiert und Amplitude flach gemacht. Wir liegen länger, aber schwingen weniger. Wir kommen auf beeindruckende Effizienzwerte, weil wir in Räumen leben, die den Körper durch nichts stören. Die Metrik zeigt: alles in Ordnung. Der Körper zeigt: alles falsch.
Die 88 Prozent sind kein Erfolg. Sie sind ein Symptom.