Wer in den ersten drei Jahren nach der Geburt eines Kindes im Schnitt zwei Stunden pro Nacht weniger schläft, addiert etwa zweitausendzweihundert Stunden Schlafdefizit. Das ist keine metaphorische Erschöpfung.
Chronische Schlafrestriktion erhöht den Ruheblutdruck, verändert die Insulinsensitivität, hebt die Cortisolgrundlast und bringt die Endothelzellen der Gefäßinnenwände in einen leicht entzündlichen Zustand. Diese Veränderungen verschwinden nicht mit dem ersten Schuljahr des Kindes. Sie bleiben teilweise messbar noch nach zehn Jahren im Blutbild und in der Gefäßwandsteife.
Kardiologen sehen in Kohortenstudien einen leicht erhöhten Herzinfarktrisiko-Verlauf bei Menschen, die in ihren Dreißigern intensiv Kleinkinder betreut haben. Der Zusammenhang wird selten kommuniziert, weil er zwischen den Fachrichtungen liegt: die Schlafforschung sieht die Ursache, die Kardiologie sieht die Folge, und niemand rechnet sie zusammen.
Für Eltern klingt das wie eine weitere Schuld, die sie tragen sollen. Es ist umgekehrt gemeint. Wer weiß, dass Schlafmangel eine Herzuhr aufzieht, kann in dieser Phase gezielt gegensteuern: Blutdruck kontrollieren, HbA1c mitnehmen, kurze Tagesschlafphasen einbauen, das erste Kinderjahr nicht auch noch zur Renovierungsphase machen.
Die Nächte, in denen du um drei Uhr die Flasche warm gemacht hast, sind nicht verloren. Aber sie werden noch abgerechnet.