Die Untersuchung, die dein Leben retten könnte, wird von Deutschland kollektiv verweigert

Die Darmspiegelung ist das stärkste Vorsorge-Screening der Medizin. Die Teilnahmerate ist trotzdem so niedrig, dass sich Gastroenterologen öffentlich empören.

Von allen evidenzbasierten Vorsorgeuntersuchungen, die die Medizin anbietet, ist die Darmspiegelung eine der stärksten. Sie erkennt Krebsvorstufen und erlaubt, sie in derselben Sitzung zu entfernen. Wer eine Vorstufe abtragen lässt, hat de facto einen Krebs verhindert, bevor er überhaupt entstanden ist. Kein anderes Screening kommt an diese Präventionsstärke heran.

In Deutschland wird sie trotzdem massenhaft verweigert. Die Teilnahmerate ist so niedrig, dass sich Gastroenterologen öffentlich darüber empören. Die Gründe sind kulturell: Scham vor der Vorbereitung, Angst vor der Sedierung, ein diffuses "das mache ich, wenn ich Symptome habe". Das ist eine Fehlvorstellung mit möglicherweise tödlichem Ausgang - wenn die Symptome kommen, sind die günstigen Stadien schon vorbei.

Die Vorbereitung mit Abführmitteln ist unangenehm, ja. Sie dauert einen Tag. Die eigentliche Untersuchung dauert unter Sedierung dreißig Minuten und wird nicht bewusst erlebt. Wer diese zwei Termine gegen den möglichen Verlauf eines fortgeschrittenen Darmkrebses aufwiegt, macht eine Rechnung, die keiner Prüfung standhält.

Ab fünfzig gehört diese Untersuchung ins Kalendarium, mit familiärer Vorbelastung deutlich früher. Deutschland verweigert dieser Untersuchung die Aufmerksamkeit, die sie verdient - nicht aus rationalen Gründen, sondern aus einem kulturellen Reflex.

Der Preis dieser Verweigerung wird im Nachhinein bezahlt, und er ist zu hoch.

← Zurück zu Schritt 3: Nahrungsergänzung