Der praktische Trend beim Vitamin-D-Supplementieren geht zur Großpackung. Eine Kapsel pro Monat mit 20.000 oder 25.000 internationalen Einheiten, statt kleiner Dosen jeden Tag. Bequemer, weniger zu merken, gleiche Gesamtmenge auf dem Papier. Aus mehreren Meta-Analysen kommt inzwischen ein deutlicher Hinweis, dass diese Bolus-Dosierung möglicherweise die schlechteste Variante ist.
Der biochemische Verdacht: Große einmalige Dosen zwingen den Körper in eine Anpassungsreaktion, die den Nutzen wieder abbaut. Die Enzyme, die aktives Vitamin D produzieren, folgen einer linearen Kinetik. Ein plötzlicher Peak führt zu einer kompensatorischen Hochregulierung der Abbau-Enzyme. Wochen später ist der Wirkstoff schneller abgebaut, als er es unter täglicher Dosierung wäre. Zusätzlich verdoppelt sich in einigen Studien das Risiko einer Hyperkalzämie.
Studien, die tägliche Dosierung untersuchten, fanden konsistent kleine positive Effekte auf Krebssterblichkeit. Studien mit Bolus-Dosierung fanden keine oder negative Effekte. Wer die Gesamt-Meta-Analysen ansieht, kann diesen Unterschied glatt übersehen. Wer sie nach Dosierungsschema trennt, sieht zwei völlig unterschiedliche Ergebnisse mit demselben Wirkstoff.
Wer Vitamin D nimmt, sollte täglich niedrig dosieren, nicht monatlich oder quartalsweise mit Wumms. Die Großkapsel im Apothekenregal wird als Bequemlichkeitsangebot verkauft. Der Kunde erfährt nicht, dass die Bequemlichkeit einen biochemischen Preis hat.
Es ist die einzige Vitamin-D-Variante, die dem Körper eher schadet als hilft. Ausgerechnet die, die in der Apotheke prominent im Regal steht.