Das teuerste Placebo in deinem Medikamentenschrank kostet dich 6000 Prozent Aufschlag

Der Wirkstoff kostet Cent. Die zwei Placebos daneben verkaufen für zehn bis dreißig Euro.

Wer einen Blick auf die reine Wirkstoffkalkulation von Erkältungsmitteln wirft, findet eine Rendite, die kein legales Investment schlägt. Der einzig wirksame Bestandteil einer typischen Kombinationsformel kostet in der Herstellung wenige Cent pro Dosis. Verkauft wird das Endprodukt für zehn bis dreißig Euro. Der Aufschlag liegt in bestimmten Kategorien bei mehreren tausend Prozent, in Extremfällen bei mehr als 6.000.

Was diesen Aufschlag rechtfertigt, ist nicht der Wirkstoff, sondern die zwei Placebos daneben. Sie sind der eigentliche Verkaufsgrund. Sie ergeben eine längere Zutatenliste, die den Kunden überzeugt, mehrere Symptome gleichzeitig zu bekämpfen. Er zahlt für die Illusion des breiten Wirkungsspektrums, nicht für die tatsächliche Wirkung.

Diese Kalkulation funktioniert nur, weil Zulassungsbehörden Wirkstoffe nach der Markteinführung selten neu bewerten. Ist ein Molekül einmal im Regal, dauert die Rücknahme Jahre bis Jahrzehnte. Selbst wenn Studien seit Langem zeigen, dass die Substanz nichts tut, bleibt sie verkaufbar. Der Kunde erfährt das nicht, weil kein Warnaufkleber auf die Packung darf.

Wer beim nächsten Erkältungsanfall zur Kombi greift, kauft im Zweifel ein maßlos überteuertes Paracetamol mit zwei Deko-Molekülen. Der billigere Weg ist der ehrlichere: einzelnes Paracetamol, ein Glas Wasser, warme Suppe, Schlaf.

Die Studienlage für den simplen Weg ist besser als für jedes bunte Kombipräparat im Regal. Die Marge für den Hersteller liegt dabei bei null. Das ist der einzige Grund, warum es nicht auf der Werbetafel steht.

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