Der 200-Euro-Test deines Darm-Mikrobioms verrät dir absolut nichts

Ohne wissenschaftliche Definition eines "normalen" Mikrobioms kann kein Testergebnis Aussagen treffen. Was zurückkommt, ist Marketing.

Das Angebot ist verlockend. Eine Stuhlprobe einschicken, ein Labor analysiert die Bakterienzusammensetzung, ein PDF-Bericht kommt zurück mit farbigen Balken und Handlungsempfehlungen. Die Preise liegen zwischen 150 und 350 Euro. Der Markt wächst zweistellig pro Jahr. Und die medizinische Forschung, auf die er sich beruft, kennt bis heute keine belastbare Definition für ein normales Darm-Mikrobiom.

Das ist der entscheidende Satz, und er stammt nicht von Skeptikern, sondern von Gastroenterologen, die diese Analysen fachlich einordnen können. Niemand weiß, wie eine physiologisch gesunde Bakterienzusammensetzung aussieht. Sie unterscheidet sich individuell, tageszeitlich, saisonal, ernährungsabhängig, geografisch. Aus einem einzelnen Testergebnis lässt sich keine seriöse Empfehlung ableiten.

Was der Bericht trotzdem liefert, sind schöne Diagramme und Handlungsanweisungen. Weniger von Bakterium A, mehr von Bakterium B, und übrigens: unser Probiotikum passt zufällig dazu. Der Test ist damit keine Diagnose, sondern ein Verkaufsinstrument mit medizinischem Anschein.

Die 200 Euro sind besser investiert in dreißig verschiedene Pflanzen pro Woche, weniger Alkohol und ein anständiges Vollkornbrot. Diese Interventionen haben eine belastbare Studienlage. Der Test hat vor allem ein Marketing.

Wer sein Mikrobiom pflegen will, isst dafür. Wer es katalogisieren will, füttert eine Branche, die von der Unwissenheit ihrer Kunden lebt.

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