Die Evolution hat helle Haut in Kauf genommen, um mehr Vitamin D zu bekommen

Selektion tauscht nicht ohne Grund Reproduktionsfitness gegen einen Nährstoff. Das sollte einiges sagen.

Helle Haut ist evolutionär teuer. UV-Licht dringt tiefer ein und zerstört Folsäure, ein Molekül, das für Zellteilung und Schwangerschaft essenziell ist. Evolution vermeidet normalerweise Merkmale, die Reproduktionsfitness beschädigen. Trotzdem entwickelte sich helle Haut in Populationen, die weit nach Norden gewandert waren. Der wahrscheinlichste Grund: Sie erlaubt mehr Vitamin-D-Synthese in der Haut.

Das ist keine biologische Kleinigkeit. Die Evolution hat einen Fertilitätspreis akzeptiert, um die Vitamin-D-Bilanz zu verbessern. Wer die Bedeutung eines Stoffes abschätzen will, sollte auf solche Signale achten. Selektionsprozesse tauschen nicht ohne Grund Reproduktionsfitness gegen einen Nährstoff, den man locker aus dem Speiseplan bekommen könnte.

Bestätigt wird das Muster durch Populationen, die trotz Nord-Breitengraden dunkle Haut behielten: die Inuit. Sie aßen fetten Fisch und Walspeck und hatten damit eine Nahrungsquelle für Vitamin D, die skandinavische Landbewohner nicht hatten. Ihre Haut blieb dunkler. Ein natürliches Experiment mit klarer Ansage.

Traditionelle Populationen in Ostafrika, die dem Nährstoff-Regime entsprechen, unter dem sich der Mensch entwickelt hat, haben durchschnittliche Blutspiegel von 115 Nanomol pro Liter. Der westliche Durchschnitt liegt bei einem Drittel bis der Hälfte davon.

Wer sich fragt, ob niedrig-normale Werte wirklich normal sind, findet in der Evolutionsgeschichte eine ziemlich klare Antwort. Es waren nie die niedrigen Werte, die die Norm bildeten. Es waren die hohen.

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