Jährlich landen allein in den USA über fünfzigtausend Menschen wegen Paracetamol- Überdosierung in der Notaufnahme. Etwa die Hälfte dieser Fälle passiert unbeabsichtigt. Die Betroffenen wollten nicht sterben, sie wollten nicht einmal eine besonders hohe Dosis. Sie haben nur mehrere Erkältungsmittel gleichzeitig eingenommen und übersehen, dass in fast jedem einzelnen Paracetamol steckt.
Das ist der eigentliche Skandal der Kombinationspräparate. Wer Kopfschmerzen hat, greift zu Paracetamol. Wer Husten hat, nimmt zusätzlich ein Hustenmittel, das ebenfalls Paracetamol enthält. Wer schlecht schläft, ergänzt mit einem Nachtmittel, das nochmal Paracetamol beisteuert. Am Ende des Tages hat der Patient das Vierfache der Tagesdosis dieses Wirkstoffs zu sich genommen, ohne es zu wissen.
Vierzig verschiedene Produkte im Erkältungsregal enthalten Paracetamol, ohne dass die Substanz in Markennamen oder Werbebotschaft auftaucht. Wick, Grippostad, unzählige Store-Marken. Die Zutatenliste ist meist klein gedruckt, die Verkaufsverpackung nicht.
Die einfachste Reform wäre die Trennung. Ein Erkältungsmittel gegen Husten enthält kein Paracetamol. Wer Schmerzen hat, kauft Paracetamol separat. Solange das nicht passiert, bleibt der Wirkstoff der stillste Killer im Medikamentenschrank.
Nicht durch Absicht, sondern durch versteckte Wiederholung in Dutzenden Packungen.