Ein Erkältungsmittel wurde umformuliert, weil der Wirkstoff zu viele Meth-Dealer produzierte

Der wirksame Wirkstoff wurde reguliert. Ersetzt wurde er durch ein wirkungsloses Molekül. Die Verpackung blieb gleich.

Die Ursubstanz Pseudoephedrin, jahrzehntelang der Goldstandard gegen verstopfte Nasen, hat einen unangenehmen Nebenberuf: Sie ist die zentrale Ausgangschemikalie zur Herstellung von Crystal Meth. Nachdem sich unter anderem die Serie Breaking Bad dieser Tatsache öffentlichkeitswirksam angenommen hatte, führten die USA Ausweispflicht, Registrierung und Mengenbegrenzungen für den Kauf ein. Die legalen Umsätze der Hersteller brachen ein.

Die Pharmaindustrie reagierte pragmatisch. Statt weiter mit dem alten Wirkstoff zu kämpfen, wurde die Rezeptur ausgetauscht. Der Ersatz heißt Phenylephrin, oral eingenommen ohne belegbare Wirkung, aber ohne regulatorische Hürden. Die Marke blieb identisch, das Design blieb identisch, die Positionierung im Regal blieb identisch. Nur die Wirkung verschwand.

Die US-Zulassungsbehörde erkennt inzwischen an, dass orales Phenylephrin ein Placebo ist. Sie versucht seit fast drei Jahren, den Wirkstoff vom Markt zu nehmen. Der Prozess mahlt gemächlich weiter, während dieselben Verpackungen weiter über die Ladentheken gehen. Der Kunde kauft ein Produkt gegen ein Symptom, das dieses Produkt nicht behandeln kann.

Was diese Geschichte lehrt, ist ernüchternd. Pharmakonzerne ersetzen einen wirksamen Wirkstoff durch ein wirkungsloses Molekül, wenn der wirksame Wirkstoff sie Marktanteile kostet.

Der Verbraucherschutz wird zum Kollateralschaden einer Drogenpolitik, die eine völlig andere Zielgruppe im Blick hatte. Am Ende zahlt der Erkältete für ein Placebo, weil er die falsche Zielgruppe für die falsche Regulierung war.

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