Wenn eine wissenschaftliche Studie zu einer klaren negativen Aussage kommt, ist der Reflex, das Ergebnis zu übernehmen. Bei Vitamin D sind seit den Nullerjahren mehrere Megastudien durchgeführt worden, die nichts Signifikantes fanden. WHI, VITAL, D-Health. Die Schlagzeile lautet seither: Vitamin D bringt nichts.
Der Blick in die Studien-Methodik erzählt etwas anderes. Alle drei Studien wurden in Ländern durchgeführt, in denen Milch, Margarine und Cerealien standardmäßig mit Vitamin D angereichert sind. Die Teilnehmer hatten mehrheitlich schon ausreichende Blutspiegel, bevor sie die Studienpille bekamen. Wer bei siebzig Nanomol pro Liter startet und noch mehr Vitamin D bekommt, erhöht seinen Spiegel weiter, aber ohne biologischen Hebel.
Der Effekt hätte nur bei niedrigen Ausgangswerten sichtbar sein können. Genau diese Population haben die Studien nicht rekrutiert. Zusätzlich: Um einen plausiblen kleinen Effekt zuverlässig zu messen, wäre eine Studie mit rund einer halben Million Teilnehmern nötig gewesen. Die größte bisherige Vitamin-D-Studie hatte 36.000.
Statistische Power reichte damit von vornherein nicht aus, um das nachzuweisen, was man eigentlich messen wollte. Das Ergebnis ist nicht "Vitamin D bringt nichts". Das Ergebnis ist: Vitamin D bringt nichts, wenn man es Menschen gibt, die schon genug haben, und die Studie zu klein ist, um kleine Effekte zu sehen.
Die großen Studien haben nichts widerlegt. Sie haben die falsche Frage an die falsche Population gestellt.