Resveratrol wirkt im Labor - aus dem falschen Grund

Ein Molekül aus der Kategorie "verfälscht Testergebnisse durch chemische Interferenz". Verkauft als Anti-Aging-Wunder.

Resveratrol gilt als einer der interessantesten Pflanzenstoffe der Anti-Aging-Forschung. Rotwein, Preiselbeeren, Nahrungsergänzungsmittel für dreistellige Beträge: Das Versprechen ist immer dasselbe. Der Stoff verlangsamt das Altern.

Das Problem fängt im Labor an. Resveratrol gehört zu einer Gruppe chemischer Verbindungen, die in standardisierten Zellkulturexperimenten systematisch falsch-positive Ergebnisse liefern, nicht wegen biologischer Wirksamkeit, sondern wegen chemischer Interferenz. Diese Verbindungen sind in der Fachliteratur als PAINs bekannt, was im Englischen für Pan Assay Interference Compounds steht. Sie verfälschen Testergebnisse durch ihre Molekülstruktur. Das gleiche gilt für Curcumin, den Wirkstoff aus Kurkuma.

Hinzu kommt: Die Studien, auf denen die Versprechen beruhen, wurden meist an Mäusen oder Zellkulturen durchgeführt. Die dort verwendeten Dosierungen sind auf einen Menschen hochgerechnet nicht erreichbar. Um pharmakologisch wirksame Mengen Resveratrol aufzunehmen, bräuchte man täglich Mengen Rotwein, die jeden anderen gesundheitlichen Nutzen weit überwiegen würden.

Das bedeutet nicht, dass Rotwein in Maßen keinen Platz im Leben hat. Es bedeutet, dass er keinen Anti-Aging-Effekt liefert, den man in einer Kapsel für zwölf Euro im Monat kaufen müsste.

Wer das verkauft, verkauft Laborergebnisse, die im menschlichen Körper keine Entsprechung haben.

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